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Ist Spazieren gehen gesund? Was regelmäßiges Gehen bringt

Spazieren gehen ist gesund, besonders wenn du zügig gehst. In Studien senkte regelmäßiges Gehen den Blutdruck, verbesserte die Ausdauer und ging mit einem geringeren Sterberisiko einher. Zügiges Gehen, bei dem du noch reden, aber nicht mehr singen kannst, zählt zu den 150 Minuten Bewegung pro Woche, die die WHO empfiehlt.

Ist Spazieren gehen gesund? Die kurze Antwort lautet ja, und die Studienlage dazu ist breiter, als viele denken. Gehen braucht kein Gerät und keine Mitgliedschaft, und fast jeder kann es. Wie viel es bringt, hängt vor allem davon ab, wie oft, wie lange und wie zügig du gehst. Diese Seite erklärt, wann ein Spaziergang als Bewegung im Sinne der Empfehlungen zählt, was Studien zum Gehen gefunden haben und worauf du achten solltest. Wie viele Schritte du an einem üblichen Tag gehst und wie das zu großen Studien passt, zeigt dir der Schritte-Ziel-Rechner.

Wann ein Spaziergang als Bewegung zählt

Die Nationalen Empfehlungen für Bewegung unterscheiden nach der Anstrengung. Leichte Bewegung empfindest du kaum als Anstrengung, dazu zählt langsames Gehen. Mäßig anstrengend ist eine Bewegung, bei der du noch reden, aber nicht mehr singen kannst und etwas schneller atmest. Als Beispiel nennen die Empfehlungen schnelles Gehen [3]. Der britische Gesundheitsdienst NHS beschreibt denselben Test: Zügig gehst du, wenn du noch sprechen, aber kein Lied mehr mitsingen kannst. Das entspricht nach dem NHS etwa 3 Meilen pro Stunde, also knapp 5 Kilometern pro Stunde [5]. Eine Arbeitsgruppe um Catrine Tudor-Locke nennt etwa 100 Schritte pro Minute als Untergrenze für zügiges Gehen [9]. Die WHO beschreibt mäßige Anstrengung auch über das eigene Empfinden: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt sie meist bei 5 oder 6, stark anstrengende Bewegung bei 7 oder 8 [1]. Wer wenig trainiert ist, erreicht diesen Bereich schon bei einem langsameren Tempo als eine sportliche Person.

Frau und Mann Ende vierzig gehen am Nachmittag zügig auf einem Dünenweg an einem Sandstrand entlang
Bild: KI-generiert

Für die Empfehlung der WHO zählt diese mäßig anstrengende Bewegung. Erwachsene sollen pro Woche 150 bis 300 Minuten davon schaffen. Seit 2020 zählt dabei jede Einheit, auch eine sehr kurze; die frühere Regel, nach der nur Einheiten ab zehn Minuten zählten, hat die WHO gestrichen [1]. Die Nationalen Empfehlungen von 2016 nennen noch die Zehn-Minuten-Regel [3]. Nach dem NHS bringen schon zehn Minuten zügiges Gehen am Tag einen Nutzen für die Gesundheit [5].

Auch ein gemütlicher Spaziergang ist nicht wertlos. Die WHO schreibt, dass es der Gesundheit nützt, Sitzzeit durch Bewegung jeder Stärke zu ersetzen, ausdrücklich auch durch leichte [1]. Wer viel sitzt, gewinnt also schon mit langsamen Wegen etwas. Für die 150 Minuten der Empfehlung reicht das Schlendern aber nicht.

Was Studien zum Gehen zeigen

Zum Gehen gibt es viele Studien, darunter zufällig zugeteilte Versuche, in denen eine Gruppe regelmäßig ging und eine andere nicht. Die Tabelle fasst die wichtigsten Übersichtsarbeiten zusammen.

FrageWas die Auswertung fandBeleg
Herz-Kreislauf-Risikofaktoren32 Versuche mit vorher inaktiven Erwachsenen: Gehen verbesserte die Ausdauer und senkte den Blutdruck (oberer Wert im Schnitt um 3,6 mmHg), Taillenumfang, Gewicht und Körperfett. Die Blutfette änderten sich nicht.[6]
Gehgruppen im Freien42 Studien mit 1.843 Teilnehmenden: niedrigerer Blutdruck und Ruhepuls, weniger Körperfett, bessere Ausdauer und geringere Werte auf Depressionsskalen. Nennenswerte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.[7]
Sterberisiko14 Studien mit 280.000 Menschen: Eine Gehmenge im Umfang der Bewegungsempfehlung, nach den Autoren rund 170 Minuten pro Woche, ging mit einem um 11 Prozent geringeren Sterberisiko einher, auch nach Abzug anderer Bewegung. Die größte Risikominderung lag im Bereich der niedrigsten Gehmengen.[8]
GehtempoRund 50.000 Menschen aus britischen Befragungen: Wer sein Tempo als durchschnittlich oder zügig angab, hatte ein um 20 bis 24 Prozent geringeres Sterberisiko als bei langsamem Tempo.[10]
KnochenMehrere große Kohortenstudien: Viel Bewegung, besonders Gehen, kann das Risiko für Knochenbrüche durch Osteoporose um 30 bis 50 Prozent senken.[3]

Die Ergebnisse zum Sterberisiko und zum Tempo stammen aus Beobachtungsstudien. Sie zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber nicht allein, dass das Gehen die Ursache ist. Die Versuche zu Blutdruck und Ausdauer sind dagegen kontrollierte Studien, in denen Gehen die einzige Maßnahme war [6]. Die Autoren der Auswertung zum Sterberisiko haben die 150 Minuten der Empfehlung in eine feste Menge umgerechnet (11,25 MET-Stunden pro Woche). Für Gehen mit üblichem Tempo ergeben sich daraus rund 170 Minuten [8].

Was regelmäßige mäßig anstrengende Bewegung insgesamt bringt, fasst die WHO in ihren Leitlinien von 2020 zusammen. Bei Erwachsenen nennt sie ein geringeres Sterberisiko, weniger Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, seltener Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und einige Krebsarten, weniger Angst- und Depressionsbeschwerden sowie Vorteile für das Denken und den Schlaf [1]. Zügiges Gehen gehört zu dieser Bewegung, die Ergebnisse gelten also auch dafür. In der Übersicht von 2025 zu Schrittzahlen waren bei 7.000 Schritten am Tag gegenüber 2.000 Schritten Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 25 Prozent und Demenz um 38 Prozent seltener [4].

In Deutschland erreicht nur ein Teil der Erwachsenen die Empfehlung. In einer Befragung des Robert Koch-Instituts gaben 42,6 Prozent der Frauen und 48,0 Prozent der Männer an, in der Freizeit mindestens zweieinhalb Stunden pro Woche ausdauernd aktiv zu sein [12]. Die Nationalen Empfehlungen betonen, dass der größte Nutzen schon dann entsteht, wenn Menschen, die bisher gar nicht aktiv waren, in geringem Umfang aktiv werden. Jeder noch so kleine Schritt weg vom Bewegungsmangel fördert danach die Gesundheit [3].

Tempo oder Strecke: was mehr zählt

In der britischen Auswertung zum Gehtempo zeigte sich der Zusammenhang auch bei Menschen über 50, bei Menschen, die die Bewegungsempfehlung nicht erreichten, und bei Menschen ohne anstrengenden Sport. Die Autoren schlagen vor, das Tempo zu betonen, wenn mehr oder häufigeres Gehen schwer umzusetzen ist [10].

Studien mit Schrittzählern kommen zu einem etwas anderen Bild. In einer Auswertung von 15 Studien mit 47.471 Erwachsenen sank das Sterberisiko mit der Zahl der Schritte, bei Menschen ab 60 Jahren bis etwa 6.000 bis 8.000 Schritte am Tag, bei Jüngeren bis etwa 8.000 bis 10.000 Schritte. Ob ein höheres Schritttempo zusätzlich etwas bringt, ließ sich dort nicht einheitlich zeigen [2]. Für die Praxis heißt das: Die Gesamtmenge ist gut belegt, und zügiges Gehen bringt dich schneller zu den Minuten der Empfehlung.

Gehen in der Gruppe

Die Übersicht zu Gehgruppen hat Treffen untersucht, bei denen Menschen gemeinsam draußen gehen. Die Autoren beschreiben die Gruppen als wirksam und sicher, und die Teilnehmenden blieben gut dabei. Sie halten Gehgruppen für eine mögliche Ergänzung zu anderer Behandlung und für einen Weg, selbst etwas für die Gesundheit zu tun [7]. Die Gruppen in diesen Studien gingen im Freien, Ergebnisse zum Gehen auf dem Laufband lassen sich daraus nicht ableiten.

Kleine Gruppe Frauen und Männer in den Sechzigern und Siebzigern geht im Herbst plaudernd durch einen Park
Bild: KI-generiert

Für die Stimmung gibt es Hinweise aus großen Beobachtungsstudien. Eine Übersicht von 2025 fand, dass Menschen mit 7.000 Schritten am Tag seltener depressive Beschwerden hatten als Menschen mit 2.000 Schritten [4]. Wenn du dich seit Wochen niedergeschlagen fühlst, ersetzt ein Spaziergang aber kein Gespräch in der Hausarztpraxis.

Gehen im Alter

Für Menschen ab 65 Jahren gilt nach der WHO dieselbe Empfehlung wie für jüngere Erwachsene. Zusätzlich sollen sie an mindestens drei Tagen pro Woche vielseitig üben, mit Schwerpunkt auf Gleichgewicht und Kraft, um Stürzen vorzubeugen. Als Beispiel für ein solches Programm nennt die WHO Gehen für die Ausdauer, Gewichte heben für die Kraft und Übungen für das Gleichgewicht, etwa rückwärts oder seitwärts gehen [1]. Gehen allein deckt diese Empfehlung also nur teilweise ab. Die Nationalen Empfehlungen raten älteren Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit zu Gleichgewichtsübungen an mindestens drei Tagen pro Woche [3]. Übungen, die beim Gleichgewicht helfen, beschreibt der Ratgeber Stürze im Alter vorbeugen.

Ältere Menschen sollen sich nach der WHO so viel bewegen, wie ihre Fähigkeiten es zulassen, und die Anstrengung an ihre Fitness anpassen [1]. In der Übersicht von 2025 traten bei mehr Schritten weniger Stürze auf, die Datenlage dazu war aber sehr unsicher [4].

Wie du mehr Gehen in den Alltag bringst

Die Nationalen Empfehlungen zählen Gehen zur Fortbewegung ausdrücklich zur körperlichen Aktivität, etwa auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen [3]. Ein Teil des Arbeitswegs zu Fuß oder ein Spaziergang in der Mittagspause bringen also Minuten, ohne dass du eigens Zeit für Sport einplanen musst.

Mann in den Dreißigern geht morgens mit Rucksack zu Fuß durch eine Altstadtgasse mit Kopfsteinpflaster zur Arbeit
Bild: KI-generiert

Wenn du bisher wenig gehst, rät die WHO, mit kleinen Mengen anzufangen und Häufigkeit, Dauer und Anstrengung nach und nach zu steigern [1]. Auch der NHS empfiehlt, die Strecke langsam zu verlängern. Für längere Wege nennt er bequeme Schuhe, die gut stützen und keine Blasen machen, außerdem Wasser und Sonnenschutz [5]. Ein Schrittzähler kann helfen: In Programmen mit Schrittzählern stieg die Schrittzahl im Schnitt um etwa 2.000 Schritte pro Tag, am deutlichsten mit einem festen Ziel [3]. Ob du die Empfehlung insgesamt erreichst, schätzt der Aktivitätslevel-Test ein, und was die WHO genau rät, erklärt der Ratgeber Wie viel Bewegung pro Woche?.

Auch in Schwangerschaft und Stillzeit empfiehlt die WHO Frauen ohne Gegenanzeigen mindestens 150 Minuten mäßig anstrengende Bewegung pro Woche. Wer vorher wenig aktiv war, soll klein anfangen und langsam steigern, und nach einem Kaiserschnitt soll die Rückkehr zur Bewegung mit der behandelnden Praxis abgestimmt werden [1]. Zügiges Gehen passt in diesen Rahmen gut, weil sich Tempo und Dauer leicht anpassen lassen.

Wer mit dem Gehen gut zurechtkommt und mehr für Herz und Kreislauf tun möchte, findet weitere Formen im Ratgeber Training für Herz und Kreislauf.

Wann du vorsichtig sein solltest

In ihren Leitlinien von 2020 hält die WHO eine ärztliche Untersuchung vor dem Start für Menschen ohne Gegenanzeigen meist nicht für nötig, solange die Bewegung leicht bis mäßig anstrengend ist und nicht über zügiges Gehen hinausgeht. Menschen mit chronischen Erkrankungen können sich zu Art und Menge der Bewegung von einer Ärztin, einem Arzt oder einer Fachkraft für Bewegung beraten lassen [1]. Treten beim Steigern neue Beschwerden auf, lass sie ärztlich abklären.

Brustschmerzen, Atemnot und Schwindel nennt das Gesundheitsportal des Bundes unter den Anzeichen eines Herzinfarkts. Bei Frauen können Luftnot, Übelkeit und Erbrechen auch die einzigen Anzeichen sein. Bei Schmerzen in der Brust rät das Portal, immer den Notruf 112 zu wählen [11].

  1. Leitlinie World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine 54(24):1451 bis 1462. Bull FC, Al-Ansari SS, Biddle S u. a. (WHO). Stand 23.11.2020. abgerufen am 28.10.2026
  2. Studie Daily steps and all-cause mortality: a meta-analysis of 15 international cohorts. Lancet Public Health 7(3):e219 bis e228. Paluch AE, Bajpai S, Bassett DR u. a. (Steps for Health Collaborative). Stand 03/2022. abgerufen am 28.10.2026
  3. Leitlinie Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung (Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Sonderheft 03), S. 20, 21, 28, 34, 35 und 63. Rütten A, Pfeifer K (Hrsg.), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Stand 2016. abgerufen am 28.10.2026
  4. Studie Daily steps and health outcomes in adults: a systematic review and dose-response meta-analysis. Lancet Public Health 10(8):e668 bis e681. Ding D, Nguyen B, Nau T u. a.. Stand 23.07.2025. abgerufen am 28.10.2026
  5. Behörde Walking for health. National Health Service (NHS), England. Stand 15.12.2022. abgerufen am 28.10.2026
  6. Studie The effect of walking on risk factors for cardiovascular disease: an updated systematic review and meta-analysis of randomised control trials. Preventive Medicine 72:34 bis 43. Murtagh EM, Nichols L, Mohammed MA u. a.. Stand 03/2015. abgerufen am 28.10.2026
  7. Studie Is there evidence that walking groups have health benefits? A systematic review and meta-analysis. British Journal of Sports Medicine 49(11):710 bis 715. Hanson S, Jones A. Stand 06/2015. abgerufen am 28.10.2026
  8. Studie Systematic review and meta-analysis of reduction in all-cause mortality from walking and cycling and shape of dose response relationship. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity 11:132. Kelly P, Kahlmeier S, Götschi T u. a.. Stand 24.10.2014. abgerufen am 28.10.2026
  9. Studie How many steps/day are enough? For adults. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity 8:79. Tudor-Locke C, Craig CL, Brown WJ u. a.. Stand 28.07.2011. abgerufen am 28.10.2026
  10. Studie Self-rated walking pace and all-cause, cardiovascular disease and cancer mortality: individual participant pooled analysis of 50 225 walkers from 11 population British cohorts. British Journal of Sports Medicine 52(12):761 bis 768. Stamatakis E, Kelly P, Strain T u. a.. Stand 06/2018. abgerufen am 28.10.2026
  11. Behörde Herzinfarkt. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 28.08.2020. abgerufen am 28.10.2026
  12. Studie Gesundheitsfördernde körperliche Aktivität in der Freizeit bei Erwachsenen in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2(2). Finger JD, Mensink GBM, Lange C, Manz K, Robert Koch-Institut. Stand 2017. abgerufen am 28.10.2026

Hinweis: Ein Selbsttest gibt dir eine erste Einschätzung. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung und keine Diagnose.

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